Freitag, 10. Dezember 2010

in den Süden, nach Kuta-Lombok

Nach einem elenden, mit lauter Rapmusik untermalten Frühstück, mache ich mich auf den Weg. Ich präge mir die Namen der Städte ein, durch die ich muss, und beginne schon im Gewusel von Mataram meine jeweiligen Mopednachbarn zu fragen: „Ke Kediri – ke mana?“ Nach Kediri – wohin? Das mag kein sauberes Indonesisch sein, aber man versteht mich, und ich lerne heute, was links, rechts und geradeaus heißt. Irgendwann tauchen die modernen Gebäude des neuen intern. Flughafens bei Sengkol auf. Leider hatte man wohl kein Geld mehr für eine Straße übrig, denn ab hier ist es die Hölle. Schlamm, Überflutung, aufgerissene Fahrbahn, Straßenbaufahrzeuge, und immer drängelt sich der gesamte Verkehr durch das Nadelöhr der gerade noch so befahrbaren Furt. Ich rutsche mehr als ich fahre und bin dankbar für jedes Stückchen fester Straße. Sollte es dauerhaft zu Regnen anfangen, dann komme ich hier nicht mehr weg.
Offenbar will man über den Flughafen die Region touristisch erschließen. In Krabi/Thailand hat das auch bereits funktioniert. Allerdings haben die Thais die erforderliche Infrastruktur unmittelbar geschaffen. Ich vermute, dass sich hier die ersten ankommenden Fluggäste über kaum befahrbare Pisten quälen müssen. Bis auf wenige Kreuzungen im Raum Mataram, fehlt auch die gesamte Beschilderung. Man muss sich bei jeder Kreuzung durchfragen, und hoffen, nicht verkehrt geschickt zu werden. Ich bekomme sowohl ruppige, neutrale, als auch sehr freundliche Auskünfte. Nicht anders, als wenn Fremde bei uns auf dem Land nach dem Weg fragen. Meine Fahrt endet vorerst beim Novotel. Wie komme ich von hier zum Kuta-Beach? Ein Gartenarbeiter zeigt auf einen Sandpfad, der um die Felsen führt. Der Weg ist was für Offroad-Bikes, aber nicht für meine Honda-Vario. Irgendwie schaffe ich auch dieses Stück noch, erreiche wieder eine feste Straße, und sehe die kleinen Warungs, Hotels und Guesthouses.  Für umgerechnet 9,50 EUR bekomme ich ein ordentliches Zimmer mit Frühstück, Homestays sind ab 3,- EUR zu haben, und wie ich höre, ebenso gut.
Geht man auf die Straße, dann stürzen sich die Frauen und Kinder mit ihrem Sarong-T-Shirt –Kettchenangebot auf jeden Neuankömmling. Sie sind schon sehr professionell, besonders die Kinder. Philipp. der Engländer, behauptet, er habe kein Geld. Sofort rät ihm ein kleines Mädchen mit großer Klappe, er könne doch mit seiner Karte Geld holen. Als Philipp dann meint, das Konto sei leer, die Karte würde eingezogen, kommt noch ein „I don´t believe that, Sir“ hinterher. Untereinander üben die Kinder Verkaufsgespräche auf Spanisch und Schwedisch. Business-Language in der Praxis, und dazu im Vorschulalter.

Kuta-Lombok Beach

Der Strand sieht schön aus. Den gewohnten Regen bekomme ich hier auch, wie könnte es anders sein. Das Moped sieht aus wie eine Geländemaschine nach dem Einsatz. Der Schlamm klebt bis hoch zum Sitz.
Philipp, der in Ubud auf Bali lebt, erzählt, dass weite Bereiche der Küste von Leuten aus Dubai aufgekauft wurden, und die umliegenden Buchten wunderschön seien, mit fantastischen weißen Stränden. Jeder will hier Land verkaufen. Ich bin schon mehrfach angesprochen worden.
Wolken über dem Kuta-Lombok Strand

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Nach Lombok

Gegen 08:30 Uhr mache ich mich vom Puri Oka Guesthouse in Candi Dasa auf den Weg zur Fähre nach Padangbai. Ich warte noch einen Regenguss ab, und komme nach ca. 20 Minuten Fahrt tatsächlich trocken im Hafen an. Die Bali-Mopedfahrer passieren ohne Kontrolle den Polizeiposten am Hafeneingang, ich werde gestoppt. Er will die Fahrzeugpapiere sehen. Normalerweise kein Problem. Aber mein Rucksack ist auf der Sitzbank verzurrt, und um an die Papiere zu kommen muss ich die hochklappen. Ich frage noch einmal höflich nach, ob das wirklich sein muss, da ich das eben erst aufgeschnallte Gepäck komplett losbinden müsse, aber er will die Registrierung sehen. Also binde ich die 4 Haltebänder los, klappe den Sitz hoch, und gebe ihm die Dokumente. Ist ja auch nicht schlimm, dass ich den Rucksack losbinden muss, denn auf der Fähre hätte ich den ja ohnehin mit nach oben aufs Deck genommen. Wir sind noch nicht fertig. Jetzt will er meinen Führerschein sehen, und zwar den internationalen. Auch im Grunde keine Sache, die mich nervös machen müsste, denn den habe ich ja. Allerdings  im Rucksack. Das bedeutet: auspacken. Warum quält der mich, und nicht seine Landsleute? Ich habe in meinem Leben mehr Kilometer abgerissen als die Gesamteinwohnerschaft eines Kampung, und zwar mit Fahrerlaubnis. Ich wiederhole meine höfliche Frage, ob das nun wirklich sein muss, aber es muss. Was anderes hatte ich auch nicht erwartet. Als er den grauen, vom Baliregen im letzten Jahr aufgeweichten Lappen durchblättert, fragt er „valid?“ Wer lesen kann hat unbestreitbar Vorteile, denke ich, aber ich zeige ihm ohne Widerrede das Gültigkeitsdatum. Da ich befürchte, er könne sich noch mehr Prüfpunkte ausdenken, wechsle ich vom bahasa-indonesisch durchsetzten Small Talk zu verbindlichem „no-longer-amused“ Englisch. Da er wissen will wo ich mich auf Bali so aufhalte, erwähne ich ganz nebenbei, dass ich beim Tejakula Art-Festival im letzten Jahr den Gouverneur vom Buleleng District kennengelernt habe, und spiele dabei mit meinem Handy. Wow, das hat gewirkt! Er war zwar die ganze Zeit recht nett, aber nun wird er fast überschwänglich freundlich. Blitzartig erkennt er, dass alle Lizenzen gültig sind, und ich darf wieder zusammenpacken. Ich reihe mich in eine Fahrspur über der nicht Lkw/Busse steht, kaufe für umgerechnet 6,90 EUR ein Ticket. Das Schiff legt gerade ab. Hätte den Gouverneur gleich am Anfang ins Spiel bringen sollen. Egal, die fahren ja jede Stunde. Heute wird allerdings eine Ausnahme gemacht von dieser Regel. Vier Stunden lang kommt keine Fähre mehr. Um 13 Uhr fahre ich auf, und mein schöner Plan für heute ist wieder hin. Nach Kuta-Lombok komme ich heute sicher nicht mehr. Ich entscheide, durch Mataram Richtung Norden zu fahren, so weit wie möglich Richtung Senggigi, bevor es dunkel wird. Der Feierabendverkehr durch die Inselhauptstadt ist die bisher größte Herausforderung. Man wird mit der Zeit gelassener. Man nimmt hin, dass einem auf der eigenen Fahrbahnseite links und rechts die Geisterfahrer entgegendonnern. Wohin muss ich überall schauen, wenn ich überholen will? Die kleinen Pferdekutschen sind ständige Hindernisse. Man muss die Lücke finden, und, ganz wichtig, demjenigen, der den eigenen Weg kreuzt, eine Lücke lassen. Mit Glück schaffe ich es durch das Chaos und finde auch die Straße nach Norden. In Mangsit, hinter dem Alang Alang Hotel, mache ich geschafft Halt bei einer Traveller-Unterkunft.
Bei einer Inselumrundung würde ich erst sehr spät in Kuta-Lombok ankommen. Ich entscheide mich daher für den direkten Weg, und Ankunft bei Tageslicht. Man hat mich inzwischen schon drei Mal davor gewarnt, überhaupt nach Kuta zu fahren. Die Leute vom Volk der Sasak seien in der Region auf Raubüberfälle spezialisiert. Vorzugsweise natürlich dort wo etwas zu holen ist, also bei Fremden.  

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Candi Dasa

Die Fahrt von Sanur nach Padangbai, zu den Fähren nach Lombok, ist anstrengend. Die Straße ist teilweise für viele Kilometer üble Baustelle, und man ""frisst" als Mopedfahrer viel Dreck und Staub. Das Fahren auf Schotter und Sand ist auch nicht unbedingt einer meiner Bikerträume. Gegen 12 Uhr stehe ich am Fährhafen und beschließe, die Tour in Candi Dasa für heute zu beenden. Würde ich noch auf die Fähre gehen, dann wäre ich nicht vor 16-17 Uhr in Lembar /Lombok. Die Weiterfahrt auf unbekannter Route in den Süden, vermutlich auch auf teilweise unbefestigten Straßen, wäre mir zu spät und zu viel.


Suche mir ein kleines Resort mit Pool, direkt am Meer, (Puri Oka, Zimmer/Fan 15,-EUR) mit tollen Felseninseln davor und Blick auf die Fährroute nach Lombok, und lasse es mir gut gehen. Nach der Abkühlung fahre ich noch Tanken, denn mit dem aufgeschnallten Rucksack wäre es nicht möglich an den Einfüllstutzen unter der Sitzbank zu kommen. So ist es OK. Morgen also ganz locker die 5 km bis zum Hafen, und dann gegen 10 Uhr ausgeruht auf die Fähre. Ist das schön, dass ich so viel Zeit habe!

Dienstag, 7. Dezember 2010

Bali, Sanur- und wie es weitergeht

Die Temperaturen sind zu dieser Jahreszeit im Süden Bali´s wirklich extrem. Es ist heiß, die Luftfeuchtigkeit ist weit über 90 %, und es regnet auch täglich. Meine Freunde aus dem Norden, die z.Zt. auch hier im Süden der Insel sind, erzählen mir, dass es dort erheblich erträglicher ist. Wer also zu dieser Jahreszeit Bali besucht, der sollte den Norden wählen.
Bin heute mit dem Moped mal wieder auf den Straßen Bali´s so einige Kilometer unterwegs gewesen. Das Fahren hier bleibt nach wie vor für mich gewöhnungsbedürftig. Immer häufiger bin ich aber bereit Dinge zu tun, die bei uns undenkbar wären, und dadurch bin ich im hiesigen Straßenverkehr angepasster, und damit ungefährdeter.
Was die weitere Tour anbetrifft, so werde ich nun vermutlich für längere Zeit in netzfreie Regionen abdriften. Der Süden Lomboks wird sicher kaum WiFi-Café ´s haben, und der Norden Bali´s ist in dieser Hinsicht auch noch recht jungfräulich. Ist das nun gut oder schlecht? Ich bin mir bei der Einschätzung nicht sicher. Werde aber die persönlichen Konsequenzen am eigenen Klapprechner zu spüren bekommen, und anschließend klipp und klar sagen können, ob ich es nun positiv oder negativ empfunden habe.
Auf jeden Fall werde ich euch Blogleser erst einmal nicht mehr mit Reiseinfos versorgen können.
OK, das mag euch nicht gefallen, aber für mich ist es erst einmal eine Erleichterung. Entschuldigung, aber Eintrag, Korrektur, Hochladen von Fotos, das alles kostet etwa 1 Stunde je Eintrag.


  

Montag, 6. Dezember 2010

Bali -Sanur-Flashbacks

Nach ein paar Tagen in Bangkok mit letzten Einkäufen und gutem Thai-Essen, bin ich nun wieder allein unterwegs. Anne ist nach Deutschland abgeflogen, und ich habe am 05.DEC nach Bali gewechselt. Im Flashbacks war großes Wiedersehen angesagt, und heute habe ich bereits die Freunde Jochen und Nicole getroffen, die schon den größten Teil meines Gepäcks, in den Norden, zum ihrem Cili Emas Resort in Tejakula mitnehmen. So kann ich in zwei Tagen, mit leichtem Gepäck, meine Mopedtour nach Lombok antreten. Das Klima hier in Sanur ist auch nach 2 ½ Monaten Asienaufenthalt für mich gewöhnungsbedürftig. Es ist sehr heiß, obwohl bewölkt, und die Luftfeuchtigkeit liegt bei über 90 %. Ich schwitze bereits nach wenigen Metern Gehen meine Kleidung nass und brauche regelmäßige Abkühlphasen im Pool des Flashbacks. Eigentlich ist es nur auf dem Sattel eines Mopeds im Fahrtwind angenehm, und darum habe ich heute schon einmal mein Gefährt, und „den Gefährten“ für die nächsten drei Monate, übernommen. Bin mir aber auch beim Blick auf den Himmel ganz sicher, dass ich in dieser Zeit wieder einige warme Duschen von ganz oben abbekommen werde.

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Nachtrag zum Post 28.11.


Der letzte Eintrag vom 28.11. war Auslöser für eine E-Mail aus Deutschland, mit kritischen Anmerkungen zum Text. Darum will ich noch einmal verdeutlichen, um eventuelle Missverständnisse zu diesem Eintrag auszuräumen:
Ich habe weder etwas gegen internationales Publikum an Ferienorten, noch gehöre ich zu den Menschen, die Orte mit einem erhöhten deutschen Urlauberanteil bevorzugen. Ich glaube, dass versteht sich für jeden Leser meiner Reiseblogs von selbst. Auf russische Urlauber zu treffen stört mich auch nicht, und ich habe auch keine Vorurteile gegen Menschen mit dieser Nationalität. Dazu habe ich viel zu viele nette und sympathische russische Leute kennengelernt. Was mich stört, ist die einseitige Ausrichtung von Ferienorten auf bestimmte Besuchergruppen. Das bedeutet nämlich für alle, die nicht in dieses bevorzugte Schema gehören, dass sie in einer gewissen Weise ausgegrenzt werden, nicht mehr mit der gleichen Wertigkeit gern gesehen sind. Für mein Verständnis begehen die Verantwortlichen in solchen Urlaubsregionen einen unverzeihlichen Fehler, denn sie berauben sich auf Dauer, durch eine solche Entscheidung, der weitaus größeren Anzahl von möglichen Gästen. Aber da der russische Gast, im Vergleich zu vielen anderen Nationalitäten, die Geldtaschen recht prall gefüllt hat, kann man natürlich leicht der Versuchung erliegen, ihn besonders gern zu mögen.

Sonntag, 28. November 2010

neue Invasoren in Vietnam


Die Vietnamesen haben die Franzosen aus dem Land gejagt, die Amerikaner besiegt, und den Nachbarn Kambodscha von den Roten Khmer befreit. Sie sollten sich nun möglichst bald gegen die russische Invasion zur Wehr setzen, bevor es zu spät ist. In Saigon, und hier in Mui Nè, haben die Russen bereits die Oberhoheit. Geschäfte sind in für Russen lesbaren Buchstaben beschriftet, die Hotelinfos in russischer Sprache kommen noch vor den englischen, und jedes kleine Straßenlokal verfügt über russische Speisekarten. Mit Fruchsaft/Wodka-Mischungen geht man auch im Angebot auf den russischen Geschmack ein. Zum Glück hat mal die köstliche vietnamesische Phò–Suppe noch nicht durch Borschtsch ersetzt. 

Freitag, 26. November 2010

Mui Nè und die Dünen

Mui Nè - Hafen


Runde Fischerboote, prächtige Straßen, freundliche Menschen abseits der Tourimeilen,  reichlich Sand, ein kilometerlanger, breiter und menschenleerer Strand, und ein großer Fischereihafen, das ist in Kurzfassung die Beschreibung von Mui Nè und der Region nördlich und westlich der Stadt. Die Region ist sehr trocken. Vor den Häusern eines Dorfes trocknen Blüten mit Samen. Wir halten an, um zu sehen was das ist. Gleich kommt eine nette Dame aus dem Haus, und stopft uns eine Tüte davon voll – zum Mitnehmen. Wir können uns nicht gegen so viel Freundlichkeit wehren und nehmen das Geschenk mit, ohne zu wissen was wir da haben. Auf dem Rückweg halten wir bei unserem Stammrestaurant und fragen, was das wohl ist, aber die kennen diese Blüten nicht. Vermutlich macht man daraus Tee, und es ist so eine Art Medizin.



Mittwoch, 24. November 2010

gelochter Tintenfisch


Schwimmen – lesen – essen – trinken...   e c h t e   Erholungs-Urlaubstage, wie bei den Pauschaltouristen. Und trotzdem gab es noch ein Highlight. Im gemütlichen kleinen Ti No Restaurant, wo man sich die Mühe gemacht hat, die Speisekarte ins Deutsche zu übersetzen, sind die Tintenfischringe als „gelochter Tintenfisch“ übersetzt worden. Das war mal wieder eine Gelegenheit zum herzhaften Ablachen. Ansonsten sind Fortschritte beim „Speisekartenvietnamesisch“ zu erkennen. Man muss jedoch höllisch auf die vielen Akzente, Apostrophe, Kringel und Dächer über und unter den Buchstaben aufpassen. Ein Kringel statt eines Schrägstrichs verändert sofort die Bedeutung, und man bestellt beispielsweise statt Schweinefleisch ein Ei. Es macht aber Spaß, die übersetzten Seiten einfach zu überblättern und aus den vietnamesischen Seiten etwas zu bestellen. Nicht nur uns, dem jeweiligen Personal auch.

Dienstag, 23. November 2010

Der Krieg in Vietnam ist nicht vorbei

Bus Sation in Saigon für Ost- und Nordrouten


Eine Überlandfahrt in Vietnam ist nichts für schwache Nerven! Ich bin viel gewohnt, aus den diversen Ländern Süd- und Südostasiens, die ich bisher bereisen durfte. Und meine Frau reagiert glücklicherweise sehr gelassen und schicksalsergeben auf die unglaublichen Situationen, die sich hier auf den Straßen ereignen. Viele Menschen haben bisher über „Nahtoderfahrungen“ berichtet. Diese persönlichen Annäherungen an eines der letzten unerforschten Phänomene, dem Tod an sich, und dessen vielleicht mögliche Überwindung durch eine Weiterübertragung von Geist, werden hier zum gewöhnlichen Gedankengut im Hinterkopf eines jeden Buspassagiers aus Europa, USA etc., der die Fahrt bewusst mitverfolgt. Vielleicht wollen die Asiaten auch aus diesem Grund immer alle Vorhänge an den Fenstern zuziehen. Sie wollen einfach nicht sehen, was da so alles abgeht, und wie nah sie ständig dem eigenen Ableben sind. Ich habe Blick nach vorn, durch die Frontscheibe. Ganz gleich, dass der Vietnamese rechts neben mir mal wieder „verdunkeln“ will. Ich sehe auf jeden Fall genug, vielleicht schon zu viel. Links neben mir sitzt Anne, und hat dort die Fensterhoheit. Was man dann, bei aufmerksamer Beobachtung des Verkehrsgeschehens mitbekommt, ist aufregender als jeder Krimi. Ja, sogar grauenvoller als Horrorfilme. Der Krieg in Vietnam ist nicht vorbei! Es ist schlimmer als je zuvor. Heute kämpfen nicht Menschen wegen unterschiedlicher Ideologien. Auch geht es nicht mehr um staatliche Interessen. Heute kämpft jeder gegen jeden; auf der Straße, und mit Pferdestärken als Waffen. Gegen die furchtbarsten aller Straßenverkehrswaffen gibt es keine Verteidigung: Busse und Lkw´s. Die Hupen, die ständig im Einsatz sind, sind immer nur eine allerletzte Warnung: „Kumpel, jetzt komm ich. Hörst Du mich? OK, dann  weißt Du ja Bescheid. Ich bremse für Nichts und Niemanden. Ich hupe. Und das soll eine allerletzte Warnung sein. Also, sieh zu dass Du weg kommst.“
Vor dem ungewohnten Linksfahren in Thailand hatte ich damals Bedenken. Hier rechts zu fahren ist bedeutend schlimmer. Ich werde es vielleicht einmal versuchen. Mal sehen, was daraus wird. Wir sind in der Provinz und der Straßenverkehr rauscht in den sogenannten ‘verkehrsschwachen Zeiten‘ immer noch heftiger vorbei, als zu Hause, auf der Bundesstraße vorm Haus in Spitzenzeiten.
Das Hotel Hoang Ngoc Resort in Mui Nè ist wunderbar. Vielleicht etwas größer, als wir es uns vorgestellt hatten, aber wegen der verwinkelten Bauweise trotzdem OK. Die Restaurantpreise außerhalb sind unschlagbar. Von allen touristisch erschlossenen Regionen die ich bisher bereist habe, dürfte Vietnam in den Nebenkosten die günstigste sein. Auch wenn die Portionen eher klein ausfielen, das Abendessen kostete für uns beide (Shrimps, Gemüseteller, Reis, Pommes, gegrillte Makrelenstückchen)  9,50 EUR. Hört sich vielleicht noch nicht so toll an. Aber darin enthalten sind, sage und schreibe, auch noch ein Fruchtsaft, eine große Fl. Wasser, und  5 (!!!!) große Fl.Tiger Bier, von denen wir drei im Lokal getrunken, und zwei für die Kühlschrankfüllung mitgenommen haben. Es werden also noch so manche kulinarischen Experimente folgen, in den nächsten Tagen. Die Fehlversuche kann man leicht wegstecken, bei diesem Preisniveau.  

Sonntag, 21. November 2010

aus furchtbarer Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft

Smog is in the air

Der Smog hat die Stadt im Griff. Schon der erste frühe Blick aus dem Fenster, noch bevor der Verkehr in den Straßenschluchten so richtig fließt, lässt erkennen, dass es sich bei diesem stickigen Dunst nicht um Frühnebel handelt. Die eindrucksvolle Konstruktion des achtundsechzig Stockwerke hohen Bitexco-Financial-Tower ist nur schemenhaft zu erkennen, obwohl er nur etwa 500 m Luftlinie entfernt steht.

http://en.wikipedia.org/wiki/Bitexco_Financial_Tower

In meiner Jugend gab es wohl kaum eine Nachrichtensendung, in der nicht der Name dieser Stadt genannt wurde, in der wir uns nun befinden. Anti-Vietnamkriegs-Demos in meiner Heimatstadt hatten mich als Mitläufer. Ich habe mit den Studenten "Ho Ho Ho Chi Minh" gerufen, ohne so richtig zu wissen wer und was dieser Mann eigentlich ist, und mit 22 Jahren habe ich in Camp Pendleton/Kalifornien die Zeltstädte der Kriegsflüchtlinge gesehen. Heute wollen wir daher, sicher ein Pflichtprogramm jeder Vietnamreise, das Museum der „Kriegserinnerung“, das War Remnants Museum besuchen und einen Blick in die bittere Vergangenheit des zeitweilig zwangszerrissenen Landes werfen. Nach den Franzosen kamen die Amerikaner. Vietnam erlebte fast ein Jahrhundert in andauernden Kriegen. Die Dokumentation ist ernüchternd, erschreckend, eindrucksvoll. Das abgrundtief Böse eines Krieges wird deutlich. Sicher ist die Ausstellung aus vietnamesischer Sicht gefärbt, auch das hiesige Volk war verroht und bereit zu den grausigsten Foltern. Aber sie waren die Verteidiger, dies war ihr Land. Die Amerikaner wollten den Kommunismus aus Asien fern halten. Sie haben für die Durchsetzung ihres Zieles gemordet, gebrandschatzt und mit dem Einsatz von Chemikalien auch spätere Generationen getötet. Ich war, ohne es genau zu wissen, mit meinen Ho Chi Minh - Rufen vermutlich auf der besseren Seite, damals. Eindrucksvollstes Ausstellungsstück ist für mich der Ordenskasten, mit den an das Museum geschickten Kriegsorden eines US-Sgt. Er gesteht, damals falsch gelegen zu haben und entschuldigt sich beim Volk von Vietnam.



Hinweis: Die realen Bilder des Schreckens sind nicht leicht zu ertragen. Darum ist dieser Link, mit einigen der ausgestellten Fotos, nicht für jeden Blogleser geeignet
www.downtheroad.org/Asia/Photo/3Vietnam_Pictures/3War_Remnants_Museum.htm

Die Hauptpost der Stadt ist ein Schmuckstück!
Wunderbar alt aussehende Telefonzellen sind mit moderner Kommunikationstechnik ausgestattet. Die Halle wirkt wie ein Relikt aus kolonialer Zeit, und über Allem wacht Onkel Ho mit mildem Lächeln.






Zum Abschluss des Stadtrundganges landen wir wieder im Bräuhaus von Lion. Das Bier ist dort wirklich gut. Leider dröhnt und kracht auch heute wieder unbeschreiblich brutaler Hardrock in der Lautstärke startender Düsenjets durch die Halle. Die Betreiber einer Hausbrauerei mit dieser Art Beschallung müssten bei uns ihr schönes Bier alleine saufen.



Samstag, 20. November 2010

Saigon - die Stadt die niemals schläft

Saigon bei Nacht

Den Fahrzeughupen wird in Ho Chi Minh City (HCMC) keine Ruhe gegönnt. Den Hotelgästen mit Zimmern bis zur 4.Etage dem zur Folge auch nicht so recht. Und so konnten meine Ohrstöpsel mal wieder ihre volle Dämmwirkung beweisen. Wir sind heute zu Fuß in der Stadt unterwegs gewesen; in Straßen, in denen das Geschäftsleben nur so tobt. Wenn dies hier ein kommunistisches Land ist, und die regierenden Bonzen noch selbst daran glauben sollten, dann haben Kapital und Wirtschaft so schleichend die Herrschaft übernommen, dass die´s vielleicht gar nicht bemerkt haben. Ich denke, dass nur noch in den ländlichen Bereichen politische Führer Macht genießen. Hier, in der Metropole der Volksrepublik Vietnam, ist es ganz sicher das Geld, welches regiert. 
Im Laufe eines Tages wird man vom eigenen Magen zwangsläufig immer wieder mal an die Vielfalt der Essen-Angebote erinnert, denn er will von Zeit zu Zeit gefüllt werden. Die Geschmacksnerven schalten sich dann dazu. Die wollen was ausprobieren. Und so bleibt man recht häufig vor den Ständen der Garküchen stehen, schaut was es gibt, sieht zu wie die Leute essen, und irgendwann, wenn die Zeit da ist, dann sucht man sich aus der fast unüberschaubaren Menge des Verzehrangebotes was aus. Hatte gestern Abend einen Salat mit hunderten von Baby-Muscheln. Jede war nur so groß wie eine winzige Pille. Ich frage mich, wer die alle aus den Schalen gepult hat. So kleine Muscheln können eigentlich nur sehr kleine Kinderhände halten..... Vielleicht unterschätze ich die technischen Möglichkeiten im Land und es gibt dafür Maschinen. Aus dem Erbe des Geschmacks der Franzosen erstanden diverse Patisserien, Bäckereien, und kleine, aber feine, Schokoladenhersteller. Anne war mehr für die süßen Leckereien, ich habe mir ein wunderbar gebackenes Baguette gekauft. Diesmal wirklich ungesüßt, im Gegensatz zu allen hiesigen Brotsorten. Die Chefin sprach Französisch. Es gibt eine gebildete Schicht in der Bevölkerung Vietnams, die sich mit dieser Sprache schmückt und abgrenzen möchte vom Fußvolk. Gerade so, wie im alten Preußen die Adligen. Die Fahrkarten für die Busfahrt in Richtung Phan Thiet / Mui Nè, wohin wir übermorgen fahren wollen, sind auch bereits gekauft. Die Busstation Mien Dong liegt allerdings etwas außerhalb der City. Wir werden erst Taxi fahren müssen um dort hin zu kommen. Die 4-5 Stunden Busfahrt kosten p.Pers. etwa 3 EUR.
Heute sind wir zum Abendessen am Ben Than Market an einem Straßenstand gelandet. Innerhalb von Minuten wird hier, gegen 19 Uhr, eine komplette Restaurantzeile aufgebaut. Sitzbereich, Werbung mit Leuchtreklame, Barbeque-Grill, Kühltheke, und, nicht zuletzt, die Küche. Da gegen 21 Uhr der ganze Zauber schon wieder vorbei ist, wird der vorübergehende, eventuelle Gast, entsprechend dringlich zum Essen gebeten. Man wird teilweise regelrecht verfolgt. Bei der Dame, die gestern Abend am wenigsten aufdringlich war, sind wir heute eingekehrt. Wir waren hungrig vom langen Tag in der Stadt. Insgesamt fünf hervorragende, schmackhafte Gerichte wurden verzehrt, (Frühlingsrollen, ein kantonesisches Reisgericht, frittierter Tintenfisch, ein Gemüseteller mit Brokkoli und Blumenkohl, und Pommes), heruntergespült mit vier Tiger-Bieren, und auf der Rechnung standen am Ende 7,50 EUR. Es ist fast unglaublich. Wir werden morgen Abend wieder dort sitzen, garantiert.

Samstag, 6. November 2010

Tschüs Chiang Mai, ich komme wieder

Peace Pagode Bor Sang

Das Moped ist nach insgesamt 665 km in Nordthailand wieder zurückgegeben. Bin also wieder auf Beine und Füße angewiesen, und auf gute Augen, um rechtzeitig all die Stolperfallen, und Hindernisse in Kopfhöhe zu erkennen. Heute noch einmal die ganz große Runde durch die Stadt. Durch die Märkte entlang des Ping-Flusses, bis hinein in das Chinesenviertel, mit den vielen Goldschmuck-Geschäften. Ist das ein Geschiebe und Gewusel. Die Mauer an der Uferpromenade riecht dermaßen nach Urin, dass ich lieber auf die andere Straßenseite wechsele. Scheint im Dunkeln wohl die öffentliche Bedürfnisanstalt zu sein. Etwas später, wieder in der Altstadt, bekomme ich aber, als es um ein eigenes Bedürfnis geht, noch eine Toilette allererster Güte zu sehen. Im Wat Chedi Luang ist es, für hiesige Verhältnisse, unglaublich sauber. Man geht auch nicht mit den Straßenschuhen hinein, sondern wechselt am Eingang auf die bereitgestellten Badelatschen. Niemand verlangt Geld, aber es gibt eine Spendenbox „für die Sauberkeit“. Da lass ich mich nicht lumpen. Sollte es jemals so etwas wie einen Guide Michelin für öffentliche Toiletten in Thailand geben, dann wäre diese auf jeden Fall eine mit Stern.

http://www.chiangmai1.com/deutsch/chiang_mai/wat_chedi_luang.shtml

Ich esse noch die obligatorische Suppe. Diesmal bei einem Laden, der ausschließlich Nudelsuppe anbietet. Suche mir die „Sen Yai“ aus, das sind die großen, breiten Bandnudeln, mit Fleischbällchen, und das ganze bitte „lek“ – die kleine Portion. Meine Thaibestellung wird verstanden, und vom Chef mit „Khrap“ bestätigt. Irgendwie bin ich immer wieder überrascht wenn das, ohne Speisekarte und Fingertippen auf Fotos oder Thaischrift, tatsächlich klappt.

Ich verabschiede mich vorübergehend erst einmal aus dem Blog. Denn morgen hole ich meine Frau in Bangkok vom Flughafen ab, und unser gemeinsamer Urlaub geht euch nichts an J . Spaß beiseite, aber da wir uns überwiegend in der Region Khao Lak aufhalten werden, die ich bereits in beiden vorhergehenden Reiseblogs ausführlich beschrieben habe, gäbe es von dort nichts Neues. Um den 19. NOV fliegen wir nach Vietnam. Von dort werde ich dann weiter berichten. 

Freitag, 5. November 2010

"Samoeng-Loop"

Meine Zeit in Nordthailand hat heute, am vorletzten Tag, unerwartet noch einen Höhepunkt erfahren. Am letzten vollen Tag der Moped-Miete sollte der Bock ja noch einmal richtig gefordert werden. Also beschließe ich, den „Samoeng-Loop“ zu fahren. Für Nordthailand vielleicht eine ebenso klassische Rundtour, wie die Sella-Runde in den Alpen. Ich fahre die Runde entgegengesetzt der meisten Tourbeschreibungen, und verlasse Chiang Mai in Richtung Süden. Ich brauche in dem Straßengewirr nicht mehr lange suchen, denn inzwischen kenne ich die Ortsnamen und Straßennummern. Und so wühle ich mich durch den dichten Verkehr bis zur 1269, der Straße, die nach Samoeng führt. Es dauert nur etwa 30 Minuten, dann merke ich, dass ich einen unverzeihlichen Fehler gemacht habe. Schließlich war ich in Pai, und hätte wissen müssen, dass es in den Bergen ziemlich kalt ist. Aber ich sitze in T-Shirt und kurzer Hose auf dem Bock. Genau so, wie die Touris, über die ich mich vor ein paar Tagen lustig gemacht habe. Als es so richtig unangenehm wird, ziehe ich mir meinen Regenumhang über. Der hält den Wind ab, und es geht. Als ich tanke, fragt die Dame an der Pumpe „Mae Rim?“. Ja, da will ich hin. Sie zeigt mir mit der Hand wilde Kurven und gewaltige Steigungen. Es ist auch kurvig, geht steil hinauf und wieder hinunter. Das Wetter ist wunderbar, die Landschaft überwältigend. Es ist auch relativ wenig Verkehr, und sogar die Straße ist in einem erstaunlich guten Zustand – noch. Die Kurverei macht auch mit dem kleinen Moped Spaß, aber ich wünsche mir mehr als einmal, mein eigenes Dickschiff unter dem Hintern zu haben.
bei Samoeng

 Obwohl die Samoeng-Runde eine ausgewiesene Motorbiker-Strecke ist, treffe ich erst nach ca. 90 Minuten, in der Nähe der Touristenziele im Mae Sa-Tal, auf Farang-Biker. An den steilsten Stellen der Straße, auf denen ich schon dachte, ich fahre nicht hinunter, sondern ich falle, kamen mir Fahrrad-Biker entgegen. Mit Daumen hoch habe ich denen meinen Respekt gezollt. Was die leisten ist ja wirklich unglaublich. In der Gegend hinter dem Hausberg von Chiang Mai, dem Doi Suthep, gibt es viele schöne Resorts und Homestays. Und nirgendwo habe ich Fahrzeuge oder Menschen gesehen. Diese ganzen Unterkünfte scheinen leer zu sein. Die Orte sehen schön aus. Alles ist hier gepflegt und sauber. Studienreisen hierher, für die Bürgermeister aus Zentral und Südthailand, wären mal angebracht. 
Vor Norden her komme ich wieder zurück nach Chiang Mai. Anders als auf der Rückfahrt von Pai finde ich diesmal sofort in die Altstadt, esse Wonton-Suppe beim Chinesen, schabe mir zum Nachtisch das glibberige, süße, junge Kokosfleisch aus der Trink-Kokosnuss, und bin rundherum glücklich.

und hier ein Youtube Filmchen, bei dem die Kurverei zu sehen ist:
www.youtube.com/watch?v=fYtUfGtpvco

Donnerstag, 4. November 2010

Ban Tawai und Lamphun

In der Altstadt von Chiang Mai gibt es ein vorherrschendes Geräusch, dass einen beim Bummel durch die Gassen begleitet. Der Sound von Chiang Mai. Es ist ein angenehmes, leises Klingeln. Der wohltuende, natürliche Klang wird hervorgerufen durch unzählige windbewegte Glöckchen an den Dächern der Tempel. In meinem Zimmer, im 3. Stock des M.D.House, höre ich auch das beruhigende Klimpern vom gegenüberliegenden Wat. Das Ganze funktioniert natürlich nur, wenn ein Lüftchen weht. Ich habe das Glück, dass es weht.

Ich fahre Richtung Süden. Hang Dong ist ausgeschildert, dort gibt es den Abzweiger nach Ban Tawai, dem Dorf der Holzschnitzer. Hier, in dieser Region, wird der größte Teil der Holzprodukte hergestellt, die die Touristen in ganz Thailand kaufen. Mir scheint, man ist hier mehr auf die Fertigung als auf den Verkauf eingestellt. Obwohl es Shops in Massen gibt, lässt man mich in Ruhe bummeln und schauen.
Bei der Weiterfahrt entdecke ich durch Zufall eine neue, sehr gute Straße, die entlang des Ping-Flusses weiter nach Süden führt. Dort liegt Lamphun, und da gibt es einen Tempel, der mich schon vor vielen Jahren fasziniert hat: Wat Phra That Haripunchai.


Habe ab sofort ein Ziel. Man macht es mir aber nicht leicht, denn es gibt viele Abbiegungen, und die Beschriftung ist hier nur in Thaischrift. Ich frage mich also durch, bis ich wieder lesbar „Lamphun“ auf einem Schild erkenne. In einem Tempel halte ich an und bin kurz Zuschauer bei einer Beerdingungsfeier. Irgendwie dreht sich hier alles ums Essen. Es sieht aus wie auf einer Futtermeile, nur das die Tische hier in langen Reihen aufgestellt sind. Auf jeden Fall gibt es hier aber auch einen Stadtplan, und ich sehe, wo Wat Haripunchai eingezeichnet ist. Dann steuere ich durch die Stadt, und wie durch ein Wunder stehe ich nur wenige Minuten später beim Wat. Obwohl ich inzwischen wirklich viele Tempel ansehen konnte, ist dieser hier eine ganz besondere, sehr eindrucksvolle Anlage. 

Der riesige Gong ist ein wahres Wunderwerk. Ich denke dabei natürlich an den großen Gong, der in meinem Roman „Das Majapahit-Geheimnis“ eine wichtige Rolle spielt, und stelle mir seinen Donner vor.
Ein fetter Mönch hat auf einem Podest, in der Haupthalle des Wat, eine unglaubliche Menge an Fressalien um sich aufgebaut und schlingt, im Angesicht der drei großen Buddhafiguren, das Futter gierig in sich hinein. Ja, man kann es nicht anders bezeichnen. Er ist ein richtiger Fressack. Gläubige stellen ihm unterwürfig noch Kokosnüsse zum Trinken hin, und die schlürft er auch noch, unappetitlich dabei sabbernd. Von Buddhas Gebot der Achtsamkeit beim Essen, dem überlegten, bewussten Nahrung zu sich nehmen, scheint der Dicke noch nicht gehört zu haben, obwohl er offenbar eine führende Person in diesem Kloster ist. Und eines kommt noch erschwerend hinzu: Es ist 12:15 Uhr ! Mönche dürfen nach 12 Uhr nichts mehr essen. Vom vorbildlichen Verhalten eines Mönches, der Zurückhaltung üben, und anspruchslos und maßvoll durchs Leben kommen sollte, ist hier nichts zu erkennen. Für mich eine ziemlich ekelhafte Darbietung.
Einige aus der Gruppe der Uniformträger posieren für Fotos vor den Buddha-Statuen. In jedem Reiseführer als "Don´t do!" aufgeführt, scheint das für Soldaten oder Polizisten jedoch nicht zu gelten.
Zurück fahre ich über eine andere Straße. Die Road 106 ist über 10 km eine Allee von riesigen Bäumen. Die weit in die Höhe ragenden Giganten erinnern mich an die Redwoodbäume in den USA. Jeder einzelne trägt eine Bauchbinde aus Tuch. Ein Zeichen für die besondere Wertschätzung, die diesen Bäumen zuteil wird. Hier gibt es eine Erklärung und ein Foto:

http://deutsch.chiangmai1.com/chiang_mai/sub/dipterocarpus_alatus.shtml

Ach ja, das Abendessen beim Inder sollte unbedingt noch erwähnt werden (New Delhi, auf der Rajwithee Rd.). Dieses ‘Halyali Chicken Tikka‘ ist ein Traum. Bestes, knochenloses Brustfleisch, so viel, dass es von zwei Hühnern gewesen sein muss, wird in Spinat mariniert, und dann im Tandoor-Ofen bei 400 Grad kurz gegart. Der Spinat bildet dann eine schmackhafte Kruste um jedes Hühnchenstück. Ich bin überwältigt. Mit leckeren Pappadam vorneweg und zwei Bierchen dazu = 8,- EUR.
Die für morgen geplante Tour müsste ich eigentlich laufen, um mal wieder Idealgewicht zu erlangen.     

Mittwoch, 3. November 2010

zurück von Pai nach Chiang Mai


Die Kurven sind natürlich noch immer zahlreich. Manchmal hatte ich den Wunsch, mal wieder ein Stück geradeaus zu fahren. Löcher gibt es auf dieser Seite weniger, aber dafür sehr oft Sand. Wenn man auf diese Stellen nicht voll konzentriert ist, besonders in den Abbremsbereichen vor den Kurven, sind die sehr geeignet die Reise vorzeitig zu beenden. Während der Fahrt überlege ich, ob ich ins Mae Sa –Tal abbiegen soll. Aber dort sind diese ganzen Touristenziele, wie Elefantencamp, Tiger-Park, Orchideen-Farm, Botanischer Garten usw., und die Zimmerpreise liegen vermutlich auch über meinem Budget. Außerdem war ich schon früher einmal dort, und darum tuckere ich durch bis Chiang Mai. Nach 135 km werde ich im M.D.House wieder freundlich begrüßt. Als ich so an der Rezeption stehe, und einchecke, wird es mir mit Jacke und Schal ziemlich warm. Die Temperatur ist hier doch sehr viel angenehmer als weiter im Norden.
Am Abend überkommt es mich. Die Lust auf knuspriges Altbekanntes wird übermächtig. Ich unternehme einen Rundgang durch den südöstl. Teil der Altstadt, um die hiesigen Pizzerias anzusehen. Überall versuche ich, einen Blick auf die Teller zu bekommen. Am Ende bleibt von den 5 Pizzerias nur eine einzige übrig, denn nur dort sah die Pizza aus, wie sie aussehen muss. Dünn, knusprig, appetitlich belegt und gut duftend. Dort ist Roberto der Chef. Er steht in der Tür, und sieht aus wie ein Italiener. Klar, hier werde ich essen. Bestelle das Wagenrad für Ausländer, denn kein Einheimischer bestellt sich Pizza mit vier Käsesorten. Am Ende ist dieser, immer wieder höchst riskante Selbstversuch Pizza in Asien zu essen, gut ausgegangen. Ja, man muss hier bei Pizza mindestens so vorsichtig sein, wie bei den 762 Kurven nach/von Pai. 
Als ein Bettler mit Krücken die Außentische beehrt, blickt der Chef skeptisch. Der anschließende Versuch, auch Tische hinter der Tür zu ‘bebetteln‘ wird verhindert. Roberto, der Chef, sagt mir, dass der tagsüber ganz wunderbar laufen könne. Das wäre genau die gleiche Masche wie in Napoli/ Italia.      

Dienstag, 2. November 2010

Rund um Pai



Als es gegen 11 Uhr zumindest so warm geworden ist, dass ich es bei langsamer Fahrt ohne Jacke wagen kann, knattere ich los. Ich beginne eine große Runde um Pai. Einfach so, ohne Plan. Biege hinter der kleinen Brücke über den Pai-Fluss in die Straße am gegenüberliegenden Ufer und hoffe, dass mich irgendeine Brücke dann auch wieder auf die andere Seite führen wird. Wenn ich mich dann immer links halte, müsste ich irgendwann ja wieder in Pai ankommen. Überall gibt es Resorts, und überall werden auch noch neue gebaut. Die Kapazität an leeren Gästebetten in Pai ist enorm. Offenbar stört das niemanden, denn das in Resorts investierte Geld ist meist „black money“. Reiche Städter investieren hier planlos, einfach nur um Geld los zu werden. So erklärt es mir Norbert, der Gitarrist, der schon langer hier lebt. Habe aber trotzdem das Gefühl, das jetzt mehr Touris ankommen.

Fahre noch hoch zum Wat Mae Yen. Der Chief Monk fragt mich zuerst, ob ich schon eine Spende gegeben hätte, und ich weiß sofort, was ich von diesen Mönchen zu halten habe.
(siehe die Kommentare zu buddh. Mönchen in meinem Blog „die Reise zum Majapahit-Geheimnis).

Dann kommt am Abend noch ein Highlight dieser Reise: der Auftritt des Duos Elisa (Gesang) und Norbert (Gitarre). Unglaublich guter Gesang und hervorragendes Gitarrespiel der beiden, die schon lange hier leben. Ich genieße die wunderbare Musik. Am Ende, als das Restaurant schon geschlossen ist, hole ich meinen Laptop mit meiner Musik, und wir stellen große Gemeinsamkeiten im Musikgeschmack fest. Schade, dass ich wieder fahre, denn mit den beiden hätte ich mich gut verstanden, und vermutlich viel erfahren über regionale Hintergründe.
Elisa und Norbert im Baan Pai Village-Pai


Montag, 1. November 2010

Kurvenreich und steil nach Nordwesten

Straße nach Mae Hong Son

Der Chef ist im Resort. Er kommt aus Bangkok, und man sieht, es geht ihm sehr gut. Im Gespräch erfahre ich, dass er im Jahr oft vier große Reisen unternimmt. Er war schon überall auf der Welt unterwegs, und wir sprechen über Meeresfrüchte in Portugal und Südfrankreich, deutschen und italienischen Wein, Steaks in Argentinien, und die Stadt San Francisco. Im Baan Pai Village wird jetzt überall gearbeitet. Der 01.11. scheint ein Stichtag zu sein. Gärtner setzen Blumen ein, Lieferanten bringen neue Decken, Lampen werden erneuert, und die Küche wird mit Material ausgestattet. Nebenbei bereitet man einen „Steak-House“-Abend mit Western-Musik vor, zu dem alles nur die Hälfte kosten soll. Der Chef gibt dem Personal auch Unterricht, und irgendwie scheinen alle jetzt besser motiviert zu sein. Vielleicht ist es auch Respekt, weil der „Alte“ jetzt da ist. Mein Tisch bekommt heute sogar eine Tischdecke und mein Glas einen Untersetzer. Die Leute arbeiten hier wirklich. Der Ort ist ausgesprochen sauber, ja, eigentlich die gesamte Provinz Mae Hong Son, denn ich bin heute den ganzen Tag durch nahezu müllfreie Regionen gefahren. Ja, diese Fahrt. Es war traumhaft schön. Spannend natürlich auch, denn die verlockend gute Straße, sie ist viel besser als die bis Pai, könnte mich ja wieder mit einem abgrundtiefen Loch überraschen.
Aber die 1095 bis Pang Mhapa (oder Soppong) ist wirklich in Ordnung. Aus den runden Kurven werden Kehren, und die sind enger und sehr viel steiler als bisher. Wenn es in der Innenkurve steil bergauf geht, kommen die kleinen Mopeds an ihre Grenzen. Auch als Alleinfahrer muss ich runter in den 1. Gang. Wer zu zweit über diese Berge will, der sollte sich ein entsprechend starkes Motorrad mieten. Ich habe zwar Leute zu zweit fahren sehen, aber ich halte das für gefährlich. Auf der Passhöhe genieße ich die Rundumaussicht auf die Berge. Alles liegt etwas im Dunst, aber ich weiß, dass die weit entfernten Berge schon in Myanmar liegen müssen.

Pang Mhapa ist ein Marktstädtchen. Auf dem Weg dorthin habe ich die einfachen Dörfer der Landbewohner gesehen. Offenbar Lisu, denn es gab eine Lisu-Lodge in einem Ort. Hier ist man auf Gemüseanbau spezialisiert.

www.cavelodge.com/caving.htm
www.soppong.com/
 Hinter Pang Mhapa sehe ich den Aufstieg zur „Coffin-Cave“. In vielen Höhlen liegen Särge. Ausgehöhlte Baumstämme, die nach Lonely Planet mehrere Tausend Jahre alt sein sollen.
Genaueres weiß man offenbar darüber noch nicht. Ich steige nicht auf, denn man soll Wasser mitnehmen usw., und das ist mir dann doch zu viel des Guten. Ich will Moped fahren und kein Trekking unternehmen. Zurück in Pang Mhapa biege ich auf den Weg zur Lod-Höhle ein. Auf sehr schmalem Asphaltband geht es 8 km durch den Wald, dann gibt es Futterbuden und Tourist-Information, die große Höhle mit den vielen Kammern ist erreicht. Die Frauen unterwegs trugen Tracht. Manche sehr schön anzusehen, andere mit einem Plastikjäckchen darüber – weniger schön. Die Männer tragen hier zumeist diese albernen Camouflage-Militärsachen. Man könnte meinen, das ganze Land sei Kriegsgebiet. In die Höhle gehe ich nicht. Ich habe schon so viele Höhlen und Wasserfälle gesehen, dass mich diese überhaupt nicht mehr reizen. Genug ist genug. Schlendere lieber noch durch eine Markthalle. Dort ist nichts los. Die Leute schauen eher zur Seite, ich werde nicht angequatscht, und höre hinter mir auch nie das Wort Farang, wie sonst so oft. Man ist reserviert, aber das Gefühl, hier zu sein, ist angenehm.   
Am Abend ist große Probeverköstigung neuer Gerichte von Chef und Service und Küchenpersonal. Ich empfehle, das Steak nicht mit dieser dicken Soße zuzuschütten, aber der Chef erklärt mir ehrlich, dass das Fleisch hier nicht so gut ist wie in Europa. Es geht also um das „Verstecken“. Eine Kräuterbutter ‘on top‘ wäre dazu nicht geeignet. Insgesamt werden vier Kreationen probiert, ich werde dazu eingeladen. Leider muss ich ablehnen, denn ich habe schon gegessen und bin satt. Die Angestellten dürfen auch den neuen Import-Wein aus Chile probieren. Warum werde dazu nicht eingeladen?
In Pai werden übrigens T-Shirts verkauft, auf denen in verschiedenen Variationen die 762 Kurven erwähnt werden, die man geschafft hat, wenn man hier ankommt. Ich habe keine Ahnung von welcher Seite das gemeint ist. Aber da ich nun beide Seiten abgefahren bin, und auch wieder zurück muss, werde ich, wenn ich wieder an der Hauptstraße nach Chiang Mai ankomme, ungefähr 4  x so viele Kurven gefahren sein.

Hier gibt es einen kleinen Film von der gefahrenen Strecke. Allerdings scheint der während der Trockenzeit aufgenommen worden zu sein. Bei mir war das Grün viel intensiver:
www.youtube.com/watch?v=7hRcUSb_8r8&feature=related

Sonntag, 31. Oktober 2010

Pai, im Mae Hong Son-District, Nordthailand

www.baanpaivillage.com/intro.html
http://allaboutpai.com/


Der erste Blick auf den Himmel über Chiang Mai, gegen 7 Uhr, verheißt gutes Wetter. Die Fahrt nach Pai kann also wie geplant losgehen. Ich packe den kleinen Rucksack mit den allernotwendigsten Dingen für die nächsten 5 Tage und gebe den großen zur Aufbewahrung ab. Dann schnalle ich den Rucksack auf ´s Moped. Um 9 Uhr rolle ich vom Hof des M.D.House. Nach wenigen 100 m stelle ich fest, dass ich so sehr unbequem sitze. Ich kann mit dem Hintern einfach nicht weit genug nach hinten rutschen, und für jeden Schaltvorgang muss ich mich verbiegen. Am nördlichen Stadtrand halte ich an und setze mir den Rucksack auf den Rücken. Das ist eindeutig ein besseres Fahrgefühl. Über Mae Rim geht die Fahrt über die Hauptstraße bis Mae Taeng. Dort ist der Abzweiger nach Pai. Sofort fehlen auch die Häuserreihen links und rechts der Straße und man blickt in grüne Landschaften. 
Ich frage die Frau an einem Gemüsestand nach der nächsten Tankstelle. Ein Autofahrer kommt zur Hilfe. In 10 km soll es eine geben. Nur 1 km weiter tanke ich an einer typischen privaten Pumpstation, einer Pumpe mit Messzylinder und Schlauch, die auf ein Faß montiert ist. Eine richtige Tankstelle kommt nach weiteren 7 km. Dann hatten die also mit ihrer Auskunft doch nicht so furchtbar falsch gelegen. In unzähligen Kurven, mit angenehm zu fahrendem Radius, schlängelt sich die Straße durch die Berge. Eigentlich eine absolute Traumstraße für Biker, ich sehe auch organisierte Gruppentourer mit dicken Enduros, BMW´s  und Harleys. Wenn nur nicht diese unglaublichen Löcher im Asphalt wären. Manche sind so tief, dass man glatt hineinfallen könnte. Irgendwann hole ich die zügig reisenden Endurofahrer wieder ein, die mich schon auf der Hauptstraße mit ordentlich Dampf überholt hatten. Ich fahre konstant, und mit viel Ausdauer, während die Gruppen ständig Kaffee trinken, pinkeln, oder rauchen müssen. In einem Waldstück, wo Sonne und Schatten ständig wechseln, sind die Löcher kaum mehr auszumachen. Ich fahre etwas langsamer. Dann sehe ich plötzlich diesen „Canyon“. Kein Loch, sondern eine tiefe, eingebrochene Rille, quer über meine Fahrbahnseite. Mann, was für ein Schlag! Ich denke das Moped zerbricht unter mir, kann das Maschinchen aber stabil halten und rolle die nächsten Meter erst mal ganz vorsichtig weiter. Der erwartete Reifenschaden bleibt aus. Glück gehabt. Ich fahre mit Jacke, denn es ist mächtig kühl, trotz strahlenden Sonnenscheins. Die nackten Füße in den Sandalen werden kalt.
Pai ist ein nettes Städtchen, ein echter Traveller-Treff. Viele Japaner, Europäer und Australier aus der Fraktion der Rucksack-Reisenden kann man antreffen. Pai ist also kein Geheimtipp mehr. In jeder kleinen Gasse findet man Guesthäuser, Preise für Zimmer mit Bad, Dusche, TV ab 200,- BHT (5,- EUR). Der Internet-Bucher sollte unbedingt auf die Lage achten, denn sehr viele Guesthäuser stehen auch schon weit außerhalb der Stadt. Mein Bambus-Bungalow im Baan Pai Village ist teurer, bietet mir aber auch kostenfreies Internet. So kann ich bequem diesen Blog weiterschreiben. Die Anlage ist im Stil der Karen-Dörfer angelegt. Sehr einfach, aber nett und zentral.

Hier in Pai, ist es wieder etwas wärmer als unterwegs. Der Ort liegt in einem weiten, grünen Tal, zwischen den Bergen. Der braune Pai-Fluss fließt träge, in der Gegend gibt es heiße Quellen und Geysire. Das Leben beginnt hier erst am Abend. Irgendwie scheinen alle den ganzen Tag lang damit beschäftigt zu sein, ihre Bars, Restaurants und Cafés für den Augenblick herauszuputzen, an dem am Abend die Laternen eingeschaltet werden. Bunte Lampions in allen Gassen, leider auch mancherorts das elende Technogedudel der „Knöpfedrücker“, die ich leider nicht als Musiker bezeichnen kann.

Samstag, 30. Oktober 2010

ein wirklich schöner Tag, in und um Chiang Mai

Beim Aufwachen kein Regen! Ich bin fast überrascht durch diese ungewohnte Wetterlage. Besorge mir gleich ein Moped und fahre nach San Kamphaeng, einem Ort, in dem viele Handwerksbetriebe angesiedelt sind. Ist aber nicht so nett dort, und ich beschließe, nach einem Stopp beim Bor Sang Tempel, im Dorf der Schirm- und Fächerherstellung, um Chiang Mai herum, weiter zum Doi Suthep-Tempel hinaufzufahren. Dieser behütet  eine der höchst verehrten Reliquien Buddhas in Thailand. Ich kann mich nicht erinnern, ob wir hier schon einmal waren. Viele Tempel hatten lange Treppen nach oben. Viele hatten auch diese Naga-Schlangen-Skulpturen an den Seiten, und viele sahen im hoch verehrten Inneren auch ähnlich aus. Alzheimer? Ich hoffe nicht, denn es gibt zum Glück viele andere Details früherer Reisen, an die ich mich oft und gerne erinnere.An Orten, die ich nach Jahren wieder besuche, brauche ich nie lange suchen. Die Orientierung stimmt. Auch lange Zeit später, trotz einiger Neubauten vor Ort.

Die Straße hinauf zum Doi Suthep, ist die Hausstrecke der örtlichen Chiang Mai Heizerfraktion. Meine 125er Honda Wave kesselt gewollt brav durch die Kurven. Weiter oben wird es kühl.
Im Tempelgelände führen Mädchen der Bergvölker Tänze auf, und bitten dafür um Spenden, für die Anschaffung von Musikinstrumenten für ihre Schule. Eine großartige Idee, die ich gerne unterstütze. Pausen gibt es für die Mädchen nicht. Wenn nicht gerade vor der Pagode getanzt wird, wird hinter ihr geübt.


Nach der flotten Talfahrt über eine erstaunlich gute Straße, kämpfe ich mich durch das Gewusel von Chiang Mai zurück in die Altstadt. Dort gibt es dann eine echte Suppenpremiere. Ich probiere die lokale Spezialität „Kaow Soi“. Diese Suppe, mit zur Hälfte gekochten, und zur anderen Hälfte knackig knusprigen Bandnudeln, wird mit Huhn, Fisch, Fleich oder Krabben serviert. Ich bestelle ‘Kaow Soi Gkai‘ , und bekomme ein ganzes Hühnerbein in die leckere Suppe, die hier mit Kokosmilch etwas angedickt wird. Dazu gibt es einen Teller mit Zwiebeln, Kohl, Gurke, und Zitrone. So kann man während des Essens die Geschmacksrichtung gleich mehrfach variieren. Scharfe Chillie- und Fish- Sauce stehen natürlich auch in einfachen Straßenlokalen zum individuellen Würzen auf dem Tisch.  


hier das Rezept:
www.northernthailand.com/cm/recipes/thai-recipes/kaowsaiKai.html
 
Eis essen und Finger verbiegen

Freitag, 29. Oktober 2010

erst Regen, dann Chiang Mai

www.chiangmai-guideline.com
Am Morgen regnet es mal wieder. Gegen 11 Uhr kann ich, oft leider ohne die großen Pfützen umgehen zu können, in die Stadt. Eigentlich viel zu früh, alles wirkt irgendwie noch ausgestorben. Beim Bummel durch die Nebenstraßen entdecke ich eine Vielzahl preiswerter Guesthouses, aber auch sehr schöne Pensionen mit Charme und Flair, deren Preise erstaunlich niedrig sind. Zwischen 100,- und 700,- BHT ist alles möglich (2,50 bis 17,- EUR). Die größte Dichte findet sich in den nordöstlichen Gassen der Altstadt. Eine Stunde Thaimassage kostet hier entsprechend 130,- BHT = 3,20 EUR.
Sehe unterwegs auch ein hervorragendes Beispiel für die Verkehrserziehung von Jugendlichen und Kindern. Allgemein ist es üblich, dass die Kinder, auch schon 10-jährige, mit dem Moped zur Schule fahren. Manchmal hängen 4 oder 5 Personen auf einem Moped, selbstverständlich fast immer ohne Helm. Jeder Tourist wird abkassiert, aber der Polizist vor einer Schule, wird jedes der Kinder unbehelligt ohne Helm fahren lassen. Hier hat diesmal die Schule die Initiative ergriffen. Am Eingang des großen Schulgeländes, auf dem die Jugendlichen ihre Mopeds parken, hängt ein Schild  „Helm-Bereich“, und jeder der mit seinem Moped auf das Gelände fährt oder es verlässt, muss den Helm aufhaben. Das wird kontrolliert. Da die meisten natürlich, vor dem Tor, auf der Strasse, den Helm nicht wieder gleich absetzen, oder ihn erst für die letzten 50 m aufsetzen, wenn sie ankommen, erzieht die Schule so zum Fahren mit Helm. Eine nachahmenswerte Idee, die vermutlich aber kaum Nachahmer finden wird.

Gegenüber von der Art und Cultural Hall, vor der das Denkmal der 3 Könige steht, die gemeinsam an der Stadtgründung beteiligt gewesen sein sollen, setze ich mich in eine Nudelküche. Es gibt eine wunderbare Suppe mit Fleischbällchen. Dazu trinke ich einen Tamarindensaft und bin satt für 1,40 EUR.




Donnerstag, 28. Oktober 2010

Abenteuer Nachtbus

www.sombattour.com
www.thaimdhouse.com


Der auffällige Luxusliner von Sombattour steht schon 40 Minuten vor der planmäßigen Abfahrt im Terminal von Hua Hin zum Einsteigen bereit. Der Bus wirkt modern und komfortabel, ein echter Hingucker. Auch für die Leute auf der Straße, an denen wir später vorbeirollen. Zum allerersten Mal, bei Busfahrten in Thailand, wird mein Rucksack mit einem Gepäckanhänger versehen und verstaut. Ich verabschiede mich von Pen, Franz und Hägar, dem peinlich unerzogenen Hund, demgegenüber ich mich jedes Mal dennoch auf eine gewisse Art kameradschaftlich verpflichtet fühle, weil er mich scheinbar mag, und suche meinen Platz auf. Bereits 10 Minuten vor der regulären Abfahrt sind alle Gäste an Bord, und der Bus rollt vom Hof. Gleich bekommt man die Komplettausrüstung der im Fahrpreis eingeschlossenen Extras übergeben, und man weiß, schlimmer als im Flugzeug, nicht wohin mit dem ganzen Zeug. Decke, Kunststoffhörnchen für den Hals oder als Kissen, eine Flasche Wasser, ein Fruchtgetränk, und eine Box mit 5 gesondert eingepackten Keksen und Kuchen darin. Es folgen die Stopps bei den nächsten großen Städten Cha Am, Petchaburi, Nakhon Pathom, Kamphaen Phet, dann ist auch der letzte Platz besetzt, und der Bus rauscht durch die Nacht in Richtung Norden. Man hört nahezu permanent ein Piep-Signal. Das ertönt, wenn der Bus eine programmierte Höchstgeschwindigkeit überschreitet. Also gibt der Fahrer offenbar Gas. Gegen 0:30 Uhr wird ein Rasthaus angesteuert. Das Essen ist ebenfalls im Fahrpreis enthalten. Die Bus-Hostess erklärt eine ganze Menge, verstehe aber davon leider nur die Zahl „saam-sip“ = dreißig, und gehe davon aus, dass der Stopp 30 Minuten dauert. Im Restaurant sehe ich, dass es ein Curry-Gericht gibt und Nudel-oder Reissuppe. Alles sieht sehr lecker aus, aber ich habe überhaupt keine Lust, mich für ein Essen um diese Zeit, in eine lange Warteschlange einzureihen, zumal es bei Pen, vor Abreise, noch ein leckeres Essen gegeben hatte. Ich gehe hinaus auf den riesigen Parkplatz, auf dem im Augenblick etwa 12 Busse parken. Der Sombat Tour Bus nach Chiang Mai ist allerdings weg. Mich macht das noch nicht unruhig, denn alle Fahrgäste aus dem Bus sitzen ja noch beim Essen. Dann sehe ich ihn, ganz am anderen Ende des Rasthofes. Ich schlendere hin, sehe mein Pullover auf dem Sitz, OK, der ist es. Also hier steht der jetzt. Dann laufe ich weiter herum, denn der Bussitz hatte mir Rückenschmerzen bereitet. In diesem Bus sind alle Sitze extrem weit nach hinten zu kippen, echte Liegesitze. Nur, ich sitze lieber gerade. Ich schlafe gerade sitzend auch besser, wenn kein Bett da ist. Als ich zum Bus zurück will, weil ich denke es wird Zeit, ist er auch von seinem zweiten Standort verschwunden. Ich sehe das Mädchen vom Bordpersonal. Sie steigt ein einen Bus, an wieder einer anderen Stelle der Parkfläche ein, es ist meiner. Ich gehe etwas schneller. Wenn die einsteigt, dann geht es sicher bald weiter. Als ich näher komme, rollt der Bus rückwärts aus seiner Parkbucht, dem 3. Parkplatz seit Ankunft. Ich laufe ein paar Schritte und winke dem Fahrer. Ich will mit! Jemand vom Personal öffnet die Türe, ruft mir auf Thai etwas zu, und zeigt auf den Platz wo der Bus gestanden hat. Ist wohl so zu deuten, dass er dort wieder hinkommen wird. Ich soll dort warten. Drehe noch einmal eine Runde und versuche nebenbei Leute zu identifizieren, die mit im Bus gesessen haben. Bei Nachtfahrten im Doppeldecker, bei denen man schläft und auch sonst wenig im Bus geschieht, ist das gar nicht so einfach. Zumal keine Ausländer mit im Bus sitzen. An der Parkbucht, bei der ich warten soll, bleibt es leer. Da warten auch überhaupt keine anderen Leute. Eine Frau, von der ich annahm, dass sie im Bus auf dem Sitz vor mir „gelegen“ hat, steigt in den Bus nach Lampang ein. Hat das Mädchen in der langen Ansage, die ich nicht verstanden habe, vielleicht gesagt, dass hier ein Buswechsel stattfindet? Kann ja sein. Jetzt werde ich doch langsam nervös. Wo ist der verdammte Bus mit meinem Gepäck denn nun schon wieder? Ich laufe jetzt suchend über das Gelände des Rasthofes, dann sehe ich ihn wieder. In einer Ecke ist eine Tankstelle und dort hängt er gerade am Tankschlauch. Ich bin es leid, unruhig ständig nach dem Bus zu suchen, der offenbar versucht mit mir Verstecken zu spielen, und steige ein. Als er dann losfährt um die anderen Fahrgäste aufzunehmen, fährt er auch nicht zu der Parkbucht bei der ich warten sollte, sondern ganz auf die andere Seite des Restaurants. Wer leicht unruhig wird, der sollte daher bei solchen Stopps besser gleich sitzen bleiben. Aus Unruhe wird leicht Stress. An dieser Grenze befand ich mich. Dem Stress folgt dann übergangslos die Panik, und das wollen wir auf Reisen doch auf keinen Fall.
Der angesteuerte Busterminal in Chiang Mai liegt etwa 4 km entfernt vom M.D.Guesthouse in der Altstadt, und die geforderten 100,- BHT (2,50 EUR) halte ich für die sonst üblichen Taxipreise ab Busstationen noch für fair. Im Guesthouse kann ich auch um 6:30 Uhr früh schon problemlos einchecken. Wo gibt es denn schon so etwas?
Nach einer Dusche, und etwas Schlaf auf dem bequemen Bett, umrunde ich zu Fuß die Altstadt. Anschließend durchquere ich sie diagonal. Einige Ecken erkenne ich wieder. Aber, dass hier so viele Tempel sind hatte ich nicht in Erinnerung.
Wat Ban Ping-Chiang Mai

Kulinarisch geht der Tag als immerhin „bemerkenswert“ in die Reisechronik ein. Gegen Mittag gab es eine fantastische BaaMee-Nudelsuppe in einer China-Thai-Küche (40,- BHT). Der Abend endete beim indischen Restaurant „New Delhi“ in der Rajwithee Road. Das Chicken Vindaloo und die gefüllten Papadams sind ein Hochgenuss. Zusammen mit drei kleinen Singha-Bierchen zahle ich dort 380,- BHT = 9,- EUR.   

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Tage im Emerald-Resort


Ausruhen, Moped Tour, die fixen Termine „Irish Coffee um 16 Uhr“ und „Beer-o-clock um 17 Uhr“ einhalten, quatschen und internationale Nachbarschaftspflege, so sehen die Tage im Emerald-Resort aus. Die Nachfrage beim Bus-Terminal ergab, dass die Busse nach Chiang Mai, trotz Überflutungen in Zentral- und Ostthailand, planmäßig fahren.
beim Sam Roi Yot Nationalpark
Ich werde also heute mit dem Nachtbus ¾ des Landes von Süd nach Nord durchfahren, für 785,- BHT = 19,- EUR, und mich aus Chiang Mai wieder melden. Hoffentlich fällt der „Winter“ in Nordthailand nicht zu extrem aus. Meine wenigen warmen Sachen werde ich auf jeden Fall griffbereit haben.   

Freitag, 22. Oktober 2010

Zugfahrt 3. Klasse

Wecken 05:30 Uhr. 25 Minuten später stehe ich auf der Straße und marschiere durch das aufkommende Gewimmel der Anlieferer frischer Ware, vor der großen Markthalle von Chumphon, in Richtung Bahnhof. Obwohl es noch dunkel ist, und der Stern noch nicht seine Strahlen herunterschickt, rinnt mir der Schweiß in Strömen. Ein junger Mann neben mir winkt ab, als ich am Ticketschalter mein Geld zücke. Dieser Zug sei kostenfrei. Das stimmt, aber offenbar nur für Thais. Der Farang zahlt 49,-BHT. Für ca. 200 km etwa 1,10 EUR. Das ist auf jeden Fall das, was ich unter „günstig reisen“ verstehe. Beim Zustieg in Chumphon gibt es im Zug noch freie Plätze. Bei den späteren Haltestellen sieht es immer schlechter aus für die oft schwer bepackten Fahrgäste. Trotzdem sieht sich keiner der frühen Einsteiger veranlasst, seine hochgelegten Füße einzuziehen, um so Sitzplatz frei zu geben. Das machen die alle nur nach Aufforderung. Dann beginnt das nicht wieder endende Rennen der Essen- und Getränkeverkäufer. Die Hähnchenstücke sehen gut aus, aber ich will einfach nicht aus der Plastiktüte essen, so wie meine Mitreisenden. Soßentütchen geöffnet, und rein damit in die Reistüte. Dann Hähnchen, Gemüse, Schweinefleisch, was auch immer gerade die Mahlzeit beinhaltet, hinzugepackt. Mit der Hand rein, verknetet und zerpult, und rein in den Mund. Auf dem Weg dahin gibt es Verluste, die sich im Zug verteilen. Egal, es ist ausreichend, die Portionen sind groß. Die fettigen Hände werden an der Kleidung gesäubert, an den Zugsitzen, oder einfach, wie die Mädchen, indem man sich mit Ausdauer die Haare in Strähnen teilt. Irgendwann sind die Finger sauber, auch ohne das die abgeleckt werden. Denn das gilt offenbar als Sauerei, gehört sich nicht, und so was macht hier keiner. Was bei uns allerdings als Schweinerei gilt, ist hier Standard: die Reste jeder Teilmahlzeit, von jedem einzelnen Passagier, fliegen aus den geöffneten Fenstern. Vorzugsweise wenn der Zug steht, also in den Bahnhöfen.
Als dann der erste Sonnenschein durch die nach Osten ausgerichteten Fenster Wärme und Licht in die 3. Klasse bringt, beobachte ich die unvermeidlichen Bestrebungen aller Gäste auf dieser Seite, die Rolläden zu schließen. Diesmal bleibe ich hartnäckig, verteidige meine Fensterhoheit. Diese Luke hier bleibt offen, denn ich will was sehen vom Land. Die Frau neben mir fährt ein härteres Geschütz auf. Das Mädchen auf ihrem Arm könne den Windzug nicht vertragen. Wären wir nicht in Thailand, wäre das sicher ein Argument, welches mich klein gekriegt hätte. Aber hier, absolut lächerlich. Sie fährt in der 3. Klasse, wo grundsätzlich alle Fenster geöffnet sind. Und, da bin ich sicher, sie fährt mit dem Kind auch Bus. Wo die kaum regulierbaren Klimaanlagen eiskalten Wind auf das Mädchen schießen. Nee, ich bleibe hart, die Jalousie bleibt oben. Irgendwann sucht sie sich einen schattigen Platz, denn nur darum ging es, bei ihrem leicht durchschaubaren Versuch. Später muss ich dann noch einen Angriff auf meine Aussicht abwehren. Auch erfolgreich. Ich muss zugeben, die Sonne brennt wirklich heiß, wenn man bei relativ langsamer Fahrt am Fenster sitzt. Aber die Berge von Prachuap Khirikhan, und die vom Sam Roi Yot Nationalpark, sind einfach zu schön, um stattdessen auf die Innenseite der vergammelten Rolläden zu schauen.


Hua Hin Bahnhof


Royal Station Hua Hin

In Hua Hin gehe ich zu „Dr.Jazz“, einem netten Dänen, der das saubere kleine Hotel „Fat Cat“ betreibt, und am Abend guten Oldtimejazz mit seinem Bass und seiner Trompete spielt. Dabei ist er bemüht, nicht zu laut zu sein, und das klappt besser als bei jedem anderen Lokal mit TV oder Musikkonserve.
Beim riesigen Sangthai Sea Food-Restaurant gegenüber fahren am Abend 5 Busse vor. Die Thais stürmen das Restaurant. Dies ist kein Problem. Aber dass die Fahrer die Busse mit laufenden Motoren stehen lassen schon. Lautes Dröhnen und Gestank sind für Dr. Jazz nicht akzeptabel. Er bittet höflich, auf Thai, das abzustellen. Und es klappt sogar.
Kommt man aus dem fast touristenfreien Chumphon, dann ist Hua Hin ein Schock. Hier sind sie wieder alle versammelt. Die Opas mit den kleinen Thaimädchen, völlig verfettete Menschen jeder Nation, Leute, die so gekleidet sind, dass man meint, die können sich niemals selbst angezogen haben, vollgestempelte Tattoo-Liebhaber, deutsche Touristen der etwas schlichteren „Ballermann-Fraktion“, die in Badekleidung durch die Stadt laufen. Beim Seafood Restaurant fahren die Super-Mercedes nur so ein und aus. Je dicker das Auto, um so häufiger trägt dessen Fahrer hinter den stark getönten Scheiben auch noch eine Sonnenbrille. Wohlbemerkt, es ist 21 Uhr und stockdunkel. Ob man noch etwas sieht, das ist egal. Hauptsache, man ist cool.
Dr. Jazz unterhält sich ganz lieb mit einer jungen Thai. Sie war mit einem fetten Franzosen angekommen, der aber nun offenbar alleine um die Häuser zieht und sie alleine hier sitzen gelassen hat. Er bestellt ihr ein Omlett und macht ihr Mut es mit Messer und Gabel zu essen. Er macht das sehr einfühlsam und nett. Ganz sicher muss sie dafür auch nichts bezahlen. Höchstens der Dicke, wenn er wieder aufkreuzt.
Fat Cat Guesthouse/ Dr. Jazz
www.thefatcathuahin.com

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Chumphon Museum und Bikertage


Habe mir gestern das Museum angesehen. Von prähistorischen Knochenfunden, über Dokumentationen der Ereignisse nach dem Einfall der Japaner im 2.Weltkrieg, bis hin zur Aufarbeitung der schweren Zerstörungen in dieser Region durch Wirbelsturm „Gay“ im Jahre 1989,  und völkerkundlichen Informationen anhand von Dorfmodellen usw., ist das eine recht nette Präsentation.
Es folgte der Besuch des Tempels Wat Chao Fa Salaloi. Dort liegt ein schwer verehrter Mönch tot im Glassarg wie Schneewittchen. Seine Statuen werden von den Verehrern mit Goldpapier so bepflastert, dass vom Gesicht kaum noch eine Form erkennbar ist. Auch wenn ein Mönch tiefe Erkenntnis erlangt, sollte er sich also hüten diese zu verbreiten, und stattdessen immer nur dummes Zeug erzählen. Sonst könnte es ihm geschehen, dass er nicht mal als Leiche seine Ruhe hat. Der Buddha hatte zwar die sogenannte „Leichenfeld-Betrachtung“ auf seinem Lehrplan, aber um die Vergänglichkeit zu verdeutlichen. Was man hier mit der Teilkonservierung des Mönches in herausgeputzter Kleidung macht, ist ja das genaue Gegenteil.
Nach einer Fahrt in den Süden, bei der ich noch einmal 150 km auf den Kilometerzähler addiert habe, habe ich das Gefährt eben wieder abgegeben. Unterwegs wollte eine Schlange noch eine „Reifenmassage“. Ich konnte aber noch gerade ein Zentimeterchen an ihrer Schwanzspitze vorbei lenken.
Morgen muss ich dann in aller Frühe zum Bahnhof, der Zug fährt schon 06:45 Uhr. Das wird ein weiter Weg, mit dem Gepäck auf dem Rücken. Dürfte nur knapp unter der „Zusammenbruch-Entfernung“ liegen, und die liegt bei mir bei etwa 20 Minuten in der Sonne.  

Dienstag, 19. Oktober 2010

Traumstraße


Habe heute eine echte Traumstraße für eine Tagestour mit dem Moped gefunden. Eine relativ gute und teilweise neue Straße, mit wenig Verkehr, durch eine wunderschöne Gegend, und mit zumeist sehr freundlichen Menschen an den Straßenrändern. Das Ziel des Tages, der Badeort Hat Thung Wua Laen, überraschte ebenfalls angenehm. Obwohl alles recht ausgestorben wirkte, weil nirgendwo in den Resorts und Beachrestaurants Gäste saßen, machte der einladende Ort einen sehr netten Eindruck. Sauber und gepflegt, mit einem hellen, breiten und flachen Sandstrand. Der Blick auf die Felseninseln in der Ferne macht den Seeblick von hier interessant. Zu allem Überfluss, und fast schon ungewohnt, scheint auch noch die Sonne. Wie werde ich heute verwöhnt. Das ist ja wie im Urlaub.

Wer die Tour nachfahren möchte: Auf der 4001 aus Chumphon herausfahren in Richtung Sai Ri Beach. Vor der Brücke, wo die 4001 zur 4119 wird, nach links in Richtung Pathio und Hat Thung Wua Laen. Die Fahrt geht entlang der völlig menschenleeren Küste. Kokospalmen und Shrimpfarmen wechseln. Nach dem Koh Son Strand kann man nach rechts, auf das weit ins Meer ragende Kap hinausfahren. Am Ende der Kap-Straße fühlt man sich wie auf einer Insel, wenn man nach drei Seiten über das Meer blicken kann. Der Strand Thung Wua Laen ist nach etwa 35 km Fahrt ab Chumphon erreicht. Zurück nehme ich den direkten Weg, der ist etwa 10 km kürzer.
auf dem Kap


Das „königliche Projekt“, ein weiter Kanal-Graben um die Stadt, hat die regelmäßigen Hochwasserfluten in Chumphon beendet, erzählt mir die Chefin des kleinen Kaffee- und Spaghettihouse, in einer Gasse hinter dem Shopping-Center gelegen. Und sie erzählt das in deutscher Sprache, denn sie hat einen deutschen Mann und auch in Deutschland gewohnt. Werde bei ihr am Abend dann die hausgemachten Nudeln ausprobieren. Die Speisekarte beinhaltet so einige Schätze. In 2-3 Monaten würde ich so einiges dafür geben, aber im Augenblick möchte ich noch lieber Thai-Futter, als Jagdwurst, Räuchersalami, Kartoffelsalat mit Würstchen, oder Frikadellen mit Senf. Trotzdem, es ist gut zu wissen wo es so etwas gibt. Vielleicht komme ich ja irgendwann noch einmal durch Chumphon, wenn der Entzug eingesetzt hat.